Der Moulin des Étuves

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Im Jahr 1551 unternahm Frankreich unter Heinrich II. den Versuch, die Münzherstellung grundlegend zu verändern. Seit mehr als zweitausend Jahren wurden Münzen geprägt, indem man einen Metallrohling zwischen zwei gravierte Stempel legte und mit einem Hammer darauf schlug. Der Moulin des Étuves in Paris führte eine mechanische Alternative ein, die größere Gleichmäßigkeit und Präzision versprach. Die am 27. März 1551 genehmigte Werkstatt befand sich auf der Île de la Cité, getrennt von der traditionellen Pariser Münzstätte: Hammer und Presse sollten fortan nebeneinander eingesetzt werden.

Die Technologie stammte ursprünglich aus Augsburg und wurde von Aubin Olivier nach Frankreich gebracht. Ein wasserbetriebenes Walzwerk formte das Edelmetall zu Blechen von kontrollierter Dicke; mechanische Schneidevorrichtungen stellten gleichmäßige Münzrohlinge her; und eine Spindelpresse, der sogenannte Balancier, prägte die Münzbilder ein. Olivier wird außerdem die Entwicklung der virole brisée zugeschrieben, eines geteilten Prägrings, der den Rohling während des Prägevorgangs in Position hielt. Zusammen ermöglichten diese Verfahren gleichmäßigere Gewichte, schärfere Prägungen und rundere Münzen. Ein regelmäßiger Umfang erleichterte zudem das Erkennen des Beschneidens – also des unerlaubten Abtragens von Edelmetall vom Münzrand.

Ab 1552 stellte der Moulin die silbernen Testons Heinrichs II. her, gefolgt von Halbtestons. Die frühen Ausgaben zeigten den lorbeerbekränzten Kopf des Königs; spätere Stücke trugen ein lorbeerbekränztes und geharnischtes Brustbild. Die Werkstatt war auch mit prestigeträchtigen Goldmünzen verbunden, darunter der doppelte Henri d’or à la Gallia. Erhaltene Münzen zeigen das Potenzial dieses Verfahrens, auch wenn gewisse Unvollkommenheiten bestehen blieben. Entscheidend ist, dass die Silberausgaben tatsächlich als Umlaufgeld dienten und nicht bloß Medaillen oder Demonstrationsstücke waren: Die mechanische Prägung hatte damit eine praktische geldwirtschaftliche Funktion erhalten.

Das Unternehmen vereinte königliche Förderung, Ingenieurskunst und Stempelschneidekunst. Heinrich II. verlieh ihm die notwendige Autorität, Olivier entwickelte die Maschinen, und Marc Béchot, der oberste Münzgraveur des Königs, steuerte Werkzeuge und Entwürfe bei. Étienne Bergeron wurde 1553 Meister des Moulin, nachdem er zuvor mit vergleichbarer Technik in Troyes gearbeitet hatte. Rund 5.000 mechanisch geprägte Testons wurden dort im Jahr 1552 hergestellt, mehr als 4.500 weitere im Jahr 1553. Für kurze Zeit erprobten sowohl Paris als auch Troyes die Möglichkeiten einer mechanisierten Münzproduktion.

Technischer Erfolg bedeutete jedoch nicht automatisch Akzeptanz. Die traditionellen Münzer widersetzten sich einem System, das ihre Privilegien und ihre Existenzgrundlage bedrohte, während die Maschinen Wartung, Justierung und speziell ausgebildete Bediener erforderten. Eine hervorragende Münze herzustellen war nicht dasselbe wie ein dauerhaftes und wirtschaftliches Produktionssystem zu etablieren. Religiöse Spannungen verschärften die Schwierigkeiten zusätzlich: Bergeron, ein Protestant, gab seine Stellung auf und brachte sein Fachwissen später andernorts ein, unter anderem in Pau. Die Hindernisse waren institutioneller, praktischer und politischer Natur – nicht lediglich technischer.

Zu Beginn der 1560er-Jahre hatte der anfängliche Impuls zur Umgestaltung der französischen Münzproduktion an Schwung verloren. Doch der Moulin und seine Technik verschwanden nicht vollständig: Spätere Piéforts und Kupfermünzen belegen eine fortgesetzte Tätigkeit. Gescheitert war vielmehr der Anspruch, die Hammerprägung in großem Maßstab zu ersetzen. Trotz der nachgewiesenen Vorteile der mechanischen Alternative blieb das traditionelle Verfahren vorherrschend.

Der entscheidende Wandel erfolgte unter Jean Warin während der Münzreformen Ludwigs XIII. im 17. Jahrhundert. Ab 1640 verband Warins Münzprägung mechanische Gleichmäßigkeit mit meisterhafter königlicher Porträtkunst. Dieses Mal weitete die Krone die Reform auf das gesamte Münzwesen aus, anstatt sie auf eine separate Werkstatt zu beschränken. Im März 1645 ordneten die Behörden den Einsatz des Balanciers in sämtlichen königlichen Münzstätten an. Die Münzstätten in den Provinzen wurden schrittweise umgestellt, und bis 1649 war die Hammerprägung faktisch ersetzt.

Der Moulin des Étuves war nicht der Ursprungsort der Maschinen selbst, wohl aber eines der prägenden Zentren für mechanisch hergestellte Umlaufmünzen. Seine Geschichte zeigt, dass Innovation mehr erforderte als nur eine funktionierende Maschine: Fachwissen, Organisation und politische Autorität mussten ebenfalls zusammenwirken. Unter Heinrich II. bewies die Presse ihr Potenzial; fast ein Jahrhundert später richtete Frankreich sein Münzwesen schließlich vollständig auf dieses Verfahren aus.

Wenn Sie das nächste Mal in Ihre Tasche greifen und eine vollkommen runde Münze in der Hand halten, denken Sie einen Moment an Aubin Olivier und sein ehrgeiziges Projekt im Moulin des Étuves.

Geneva Collections ist stolz darauf, Münzen anbieten zu können, die Teil dieser bemerkenswerten Geschichte sind. Auf unserer Plattform finden Sie Münzen aus der Zeit vor dem Moulin des Étuves (1, 2), Testons, die im Moulin selbst geprägt wurden (3, 4, 5), spätere Beispiele hammergeprägter Münzen (6, 7), prachtvolle Stücke nach Entwürfen von Jean Warin (8, 9) und vieles mehr.


1.https://genevacollections.ch/en/listing/69cbe170d452f9c02c6985ca

2.https://genevacollections.ch/en/listing/658073d3c450c13140ee3085

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8.https://genevacollections.ch/en/listing/6a7c91466b8f72c00cf7e5b2

9.https://genevacollections.ch/en/listing/64ba7f8690343722daa4df8a


Aubin Olivier, représenté par Léonard Gaultier (reprint de 1622), BnF

Estampe sur papier. Diderot, D’Alembert, L’Encyclopédie. [42], Monnayage, travail de l’or, Paris : Briasson, 1751-1780, pl. XV. Jacques Raymond Lucotte (v. 1733-1804), dessinateur ; Robert Bénard (né en 1734), graveur.


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